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Wärme aus der Nachbarschaft
Wer im Dorf Hinterthal im Spätherbst morgens über die Hauptstraße geht, riecht kein Heizöl, sondern manchmal frisch gehacktes Holz. Am Ortsrand steht seit sieben Jahren ein unscheinbares Gebäude mit hohem Schornstein: das Heizwerk der Genossenschaft „Warmes Tal“. Es versorgt rund 90 Haushalte, die Schule und das Gasthaus mit Wärme. Möglich machen das Holz aus den umliegenden Wäldern und Reste aus dem örtlichen Sägewerk.
Die Idee kam nicht von der Politik, sondern von einem Stammtisch. Landwirt Konrad Mühlbauer erinnert sich: „Mehrere Nachbarn hatten gleichzeitig kaputte Ölheizungen, und keiner wollte allein 20.000 Euro ausgeben.“ Es dauerte zwei Jahre, bis genug Mitglieder zusammengekommen waren, denn der Anschluss kostet einmalig einige tausend Euro. Skeptiker fragten, ob man sich wirklich auf Jahrzehnte an einen einzigen Anbieter binden wolle.
Heute sind die meisten überzeugt. Die Genossenschaft gehört den Mitgliedern selbst, Gewinne fließen in die Anlage zurück. Die Preise für Wärme sind seit drei Jahren stabil, während Heizöl in der gleichen Zeit deutlich teurer wurde. Außerdem bleibt das Geld im Ort: Das Holz kauft die Genossenschaft bei Waldbesitzern aus der Region, und zwei Männer aus dem Dorf arbeiten im Heizwerk.
Kritik gab es anfangs auch vom Naturschutz. Förster Ulrich Roth erinnert sich an Sorgen, dass für das Heizwerk ganze Waldstücke abgeholzt würden. „Dabei verwenden wir fast nur Äste, Durchforstungsholz und Reste, die im Wald sonst liegen bleiben“, sagt er. Heute prüft ein Beirat aus Förstern, Landwirten und Naturschützern jedes Jahr, woher das Holz kommt. Seitdem sind die Vorwürfe verstummt.
Ganz ohne Probleme verlief der Betrieb allerdings nicht. Im ersten Winter fiel die Anlage zweimal aus, weil die Holzschnitzel zu feucht waren. Seither wird das Material in einer Halle getrocknet. Auch die Lastwagen, die dreimal pro Woche Holz bringen, stören einige Anwohner. Die Genossenschaft hat deshalb vereinbart, dass sie nur zwischen acht und siebzehn Uhr fahren.
Dass das Modell funktioniert, hat sich herumgesprochen. Regelmäßig kommen Delegationen aus anderen Gemeinden, um sich das Heizwerk anzusehen. Der Vorsitzende Peter Anselm rät den Besuchern allerdings zur Geduld. „Man sollte nicht glauben, dass man in einem Jahr fertig ist. Die Planung, die Genehmigungen und das Gewinnen der Leute dauern lange. Die Technik ist das kleinere Problem.“
Nun denkt man in Hinterthal bereits an den nächsten Schritt. Auf dem Dach der Turnhalle soll eine Photovoltaikanlage entstehen, deren Strom das Heizwerk betreibt, und im Sommer, wenn kaum geheizt wird, soll überschüssige Wärme ein kleines Gewächshaus versorgen. Die Gemeinde will dort Gemüse für die Schulkantine anbauen. Konrad Mühlbauer lacht: „Vor zehn Jahren haben wir noch Öl gekauft – und jetzt bauen wir mit unserer eigenen Wärme unser eigenes Gemüse an.“
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