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Leinwand im Saal – Wie ein Dorf sein Kino rettete
Als in Oberhagen vor neun Jahren das letzte Kino der Region schloss, hätte kaum jemand gedacht, dass im Saal des alten Gasthofs „Zur Linde“ bald wieder Filme laufen würden. Die nächste Leinwand war plötzlich vierzig Kilometer entfernt, und für Jugendliche ohne Führerschein bedeutete das: kein Kinobesuch. Heute zeigt der Verein „Lindenlicht“ dort jedes Wochenende zwei Vorstellungen, und fast immer ist der Saal gut gefüllt.
Die Idee hatte die Lehrerin Marlene Köster, die selbst gern ins Kino ging. „Ich habe mich über den Verlust geärgert, aber ich wollte nicht nur klagen“, erzählt sie. Zusammen mit einem pensionierten Elektriker und zwei Studenten gründete sie den Verein. Der Wirt stellte den Saal zur Verfügung, die Gemeinde zahlte einen Zuschuss für den Projektor. Den größten Teil des Geldes brachten jedoch die Einwohner selbst auf: Rund zweihundert Haushalte beteiligten sich mit kleinen Beträgen, manche sogar mit hundert Euro und mehr.
Der Anfang war holprig. Die ersten Wochen blieb das Programm dünn, weil die Filmverleiher einem so kleinen Haus zunächst keine aktuellen Filme überlassen wollten. „Wir bekamen nur Streifen, die in der Stadt längst niemand mehr sehen wollte“, sagt Köster. Erst als der Verein nachweisen konnte, dass er regelmäßig mehr als sechzig Gäste anlockte, änderte sich die Lage. Heute erhält Lindenlicht neue Filme schon wenige Wochen nach dem Start in den großen Kinos.
Das Programm bestimmen die Mitglieder gemeinsam. Am ersten Dienstag im Monat treffen sie sich und stimmen ab. Dabei gilt eine Regel: Auf einen Film für Erwachsene folgt einer für Kinder oder Familien, damit sich jede Altersgruppe wiederfindet. Am beliebtesten sind überraschenderweise nicht die großen Actionfilme, sondern Komödien und Dokumentarfilme über die Region. Als vor zwei Jahren ein Film über den Bergbau in der Nachbarschaft lief, mussten sogar Stühle aus dem Wirtshaus dazugestellt werden.
Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Eintrittskarten verkauft ein Rentnerehepaar, Popcorn macht eine Gruppe Jugendlicher, die dafür freien Eintritt erhält. Ein Kinoabend kostet sieben Euro, ermäßigt fünf. Das reicht, um Miete, Leihgebühren für die Filme und Strom zu bezahlen, aber reich wird davon niemand. „Wenn wir am Jahresende ohne Verlust abschließen, feiern wir“, sagt der Kassenwart lachend. Als im vergangenen Winter der Projektor ausfiel, sammelte der Verein innerhalb von zwei Wochen die Reparaturkosten über Spenden.
Für die Zukunft sorgt sich Köster weniger um das Geld als um den Nachwuchs. Viele aktive Mitglieder sind über sechzig, und junge Leute ziehen für Ausbildung und Studium weg. Deshalb bietet der Verein nun Schülern an, selbst einen Kurzfilm zu drehen und im Saal zu zeigen. Die erste Gruppe hat bereits ein Drehbuch fertig. „Wenn sie ihren Film auf der großen Leinwand sehen, kommen sie bestimmt wieder“, hofft Köster.
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