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Eine Woche ohne Bildschirm
Als ich meiner Redaktion vorschlug, sieben Tage lang auf Smartphone, Computer und Fernseher zu verzichten, lachte die Kollegin am Nachbartisch. „Du kannst ja nicht einmal in der U-Bahn ohne Handy sitzen“, sagte sie. Sie hatte recht, und genau deshalb wollte ich es versuchen. Im Durchschnitt, so zeigte mir die Statistik meines Telefons, verbringe ich täglich mehr als fünf Stunden damit, auf einen Bildschirm zu schauen – privat, wohlgemerkt, die Arbeitszeit nicht eingerechnet.
Am ersten Tag fühlte ich mich wie nach einem Rauchstopp. Meine Hand griff alle paar Minuten in die Jackentasche, obwohl dort nur ein altes Notizbuch steckte, das ich zur Sicherheit eingepackt hatte. Beim Frühstück wusste ich nicht, wohin mit den Augen. Also las ich zum ersten Mal seit Jahren die Rückseite der Müslipackung. Der Weg zur Arbeit dauerte plötzlich länger, weil ich ohne digitale Karte zweimal in die falsche Richtung lief und schließlich eine Passantin nach dem Weg fragen musste. Sie erklärte ihn mir ausführlich, und ich bemerkte, dass wir beide dabei lächelten.
Die größte Schwierigkeit war nicht die Langeweile, sondern die Organisation. Verabredungen musste ich Tage vorher mündlich oder per Brief treffen, und meine Schwester, die in einer anderen Stadt wohnt, bekam eine Postkarte statt einer Sprachnachricht. Ihre Antwort, ein Anruf auf dem Festnetz meiner Nachbarin, erreichte mich erst am Abend, aber das Gespräch dauerte fast eine Stunde – länger als alle unsere Telefonate im letzten Jahr zusammen. Dass sich Zuwendung so anders anfühlt, wenn sie nicht zwischen zwei Benachrichtigungen passiert, hatte ich nicht erwartet.
Ab dem vierten Tag änderte sich etwas. Ich schlief schneller ein und wachte morgens oft schon vor dem klassischen Wecker auf, den ich mir vorsorglich gekauft hatte. Abends las ich ein Buch, das seit zwei Jahren auf meinem Nachttisch lag, und nach hundert Seiten merkte ich, dass ich nicht mehr nervös auf die Uhr schaute. Auch mein Kopf kam mir ruhiger vor, als hätte jemand im Hintergrund ein Radio ausgeschaltet, das ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte.
Natürlich war nicht alles angenehm. Als meine Bahn am Donnerstag ausfiel, stand ich eine Dreiviertelstunde ratlos am Bahnsteig, weil mir die Verbindungsauskunft fehlte. Und ein Kollege rief verärgert an, weil ich auf eine dringende Anfrage nicht reagiert hatte. Mein Chef zeigte immerhin Verständnis, schließlich hatte er dem Experiment zugestimmt, bestand aber darauf, dass ich im Notfall erreichbar sein müsse. Für die restlichen Tage vereinbarten wir deshalb, dass er mich über den Festnetzanschluss meiner Nachbarin anrufen durfte.
Am siebten Tag schaltete ich mein Telefon wieder ein. Es zeigte 212 Nachrichten an, und ich stellte fest, dass nur vier davon wirklich wichtig gewesen wären. Trotzdem habe ich das Experiment nicht als Beweis gegen moderne Technik verstanden. Ohne mein Telefon wäre ich in einer fremden Stadt oder bei einem Notfall hilflos. Was ich mitgenommen habe, ist etwas Einfacheres: Ich entscheide jetzt öfter selbst, wann ich es benutze, und nicht mehr das Telefon, wann es mich braucht. Abends liegt es in der Küche, nicht neben dem Bett, und in der U-Bahn habe ich meistens ein Buch dabei. Die Kollegin am Nachbartisch behauptet inzwischen, sie wolle es auch einmal versuchen – allerdings erst im Urlaub.
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