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Wenn die Halle fehlt
In der Stadt Hohenfeld beginnt das Training der A-Jugend-Handballer um 21.30 Uhr. Für Sechzehnjährige, die am nächsten Morgen um sieben Uhr in der Schule sitzen müssen, ist das eine Zumutung, doch eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Seit im vergangenen Winter die größte Sporthalle der Stadt wegen eines undichten Dachs gesperrt wurde, kämpfen mehr als zwanzig Vereine um die verbliebenen Zeiten. Ob Handball, Volleyball, Kinderturnen oder Seniorengymnastik: Alle teilen sich jetzt weniger Raum als zuvor.
Dass es so weit kommen konnte, hat nach Ansicht von Sportamtsleiter Thomas Reuter eine lange Vorgeschichte. Von den vierzehn städtischen Sporthallen sind sechs älter als vierzig Jahre. Über Jahre sei das Geld der Stadt vorrangig in Schulen und Kindertagesstätten geflossen, räumt Reuter ein, die Sporthallen seien dabei zu kurz gekommen. Den Sanierungsbedarf beziffert die Verwaltung auf rund achtzehn Millionen Euro. Fördergeld vom Land gibt es zwar, doch die Stadt müsste ein Drittel der Kosten selbst tragen. Die Vereine, betont Reuter, trügen an dem Zustand keine Schuld: Sie hätten die Hallen stets sorgfältig behandelt.
Die verbliebenen Zeiten werden nach einem festen Schlüssel vergeben. Bis 16 Uhr hat der Schulsport Vorrang, danach folgen die Kinder- und Jugendmannschaften, und erst am späten Abend kommen die Erwachsenen an die Reihe. Wie viele Mitglieder ein Verein hat, spielt dabei keine Rolle. Das bringt manche Gruppen in Bedrängnis: Das Badmintonteam des Postsportvereins trainiert nur noch alle zwei Wochen, die Volleyballerinnen des TuS haben ihren Termin auf Sonntagabend verlegt, und mehrere Seniorengruppen sind ganz ausgefallen.
Auch die Schulen spüren die Folgen. An der Gesamtschule Nord findet der Sportunterricht bei schlechtem Wetter teilweise als Theorie im Klassenzimmer statt, weil die Halle ausgelastet ist. Schulleiterin Ulrike Sander berichtet, dass sie Eltern um Verständnis bitten musste. Zugleich lobt sie, dass die Vereine bereit seien, Gruppen für die Nachmittagsbetreuung zu übernehmen, wodurch ein Teil des Ausfalls aufgefangen werde.
Besonders hart trifft es den Turnverein Hohenfeld. Rund siebzig Kinder stehen dort auf der Warteliste, weil die Hallenzeiten nicht ausreichen. Die Vorsitzende Claudia Brenner entschied im Herbst, vorübergehend keine neuen Kinder mehr aufzunehmen. „Das fiel uns unendlich schwer“, sagt sie. „Aber wir können nicht zwanzig Kinder auf einer Matte turnen lassen.“ Die Abteilung aufzulösen, kam für den Verein nicht in Frage, und auch die Beiträge wurden bewusst nicht erhöht. Brenner fürchtet allerdings, dass Familien in dieser Zeit zu anderen Anbietern wechseln und nicht zurückkehren. Einige Vereine, so berichtet sie, weichen bereits auf Hallen in Nachbargemeinden aus, was für Eltern lange Fahrten bedeutet.
Aus der Not ist eine Bürgerinitiative entstanden. Unter dem Namen „Bündnis Bewegungsraum“ haben sich Vereine und Elternvertreter zusammengeschlossen. Sie haben bereits mehrere tausend Unterschriften für einen Neubau gesammelt, wollen aber nicht so lange warten, bis dieser Wirklichkeit wird. Bei einer Versammlung im Rathaus forderten Eltern und Trainer ein Gespräch mit dem Bürgermeister. Deshalb haben sie die Stadt aufgefordert, ungewöhnliche Räume zu prüfen. In Gemeindesälen, Pfarrheimen und leerstehenden Gewerberäumen ließen sich zumindest Gymnastik, Yoga oder Tischtennis anbieten. Das Training im Freien sei im Winter keine Lösung, räumt das Bündnis ein, und auch eine Zusammenlegung von Vereinen lehnen die meisten ab, weil sie ihre Eigenständigkeit bewahren wollen.
Die Stadt hat inzwischen reagiert. Geplant ist eine neue Mehrzweckhalle, deren Baukosten auf rund elf Millionen Euro geschätzt werden. Sie wird jedoch frühestens in vier Jahren fertig sein. Für die Zeit bis dahin kündigte Reuter eine Zwischenlösung an: Auf einem städtischen Parkplatz soll im nächsten Herbst eine Leichtbauhalle aufgestellt werden, die pro Woche etwa vierzig zusätzliche Hallenstunden bringt. Hallen anderer Städte anzumieten, hat die Verwaltung geprüft und wegen der Kosten verworfen, den Schulsport einzuschränken schließt sie aus.
Der Vorsitzende des Stadtsportbundes, Martin Ziegler, warnt vor langfristigen Folgen. Wenn Kinder keinen Platz im Verein fänden, bewegten sie sich weniger, und das zeige sich später in der Gesundheit. Zugleich sieht er in der Krise eine Chance. Seit die Vereine ihre Zeiten über ein gemeinsames digitales Buchungssystem planen, hat sich gezeigt, dass viele Hallen zu bestimmten Zeiten leer standen, vor allem am frühen Nachmittag und am Wochenende. Durch bessere Absprachen konnten bereits einige Dutzend Stunden zusätzlich genutzt werden. Ziegler möchte das System deshalb auf alle Hallen im Landkreis ausdehnen und die Daten öffentlich zugänglich machen, damit auch kleine Gruppen spontan freie Zeiten finden. „Das reicht nicht, um das Problem zu lösen“, sagt Ziegler, „aber es zeigt, dass Zusammenarbeit mehr bringt als Konkurrenz.“
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