Text
Der Akku entscheidet
Markus Teschner verkauft in der Kleinstadt Bergstedt seit drei Jahren ausschließlich gebrauchte Elektroautos. Als er damit anfing, belächelten ihn manche Kollegen aus der Branche. Heute stehen auf seinem Hof zwanzig Fahrzeuge, und der Markt, sagt er, wachse spürbar. Gleich geblieben ist die erste Frage seiner Kundschaft: „Wie lange hält der Akku noch?“ Die Sorge, nach wenigen Jahren eine teure Batterie ersetzen zu müssen, hält viele Interessenten vom Kauf ab.
Dabei ist die Angst nach Teschners Erfahrung oft größer als das tatsächliche Risiko. Untersuchungen zeigen, dass die Speicherkapazität moderner Akkus meist nur um ein bis zwei Prozent pro Jahr nachlässt. Die meisten Hersteller geben außerdem eine Garantie über acht Jahre, in der der Akku nicht unter einen bestimmten Wert fallen darf. Ein Totalausfall durch normale Alterung komme in der Praxis selten vor, sagt Teschner. Häufiger seien Defekte an Ladeelektronik oder Software, die sich meist günstiger beheben lassen als ein Batterietausch.
Wie schnell ein Akku altert, hängt allerdings stark vom Umgang ab. Ständiges Schnellladen, besonders bei hohen Temperaturen, beansprucht die Zellen stärker als langsames Laden über Nacht. Auch wer die Batterie regelmäßig bis auf den letzten Prozentpunkt leert oder dauerhaft vollgeladen stehen lässt, verkürzt ihre Lebensdauer. Kurze Fahrten im Stadtverkehr schaden dagegen kaum. Teschner rät seinen Kunden deshalb, die Batterie im Alltag möglichst zwischen zwanzig und achtzig Prozent zu halten und nur auf Reisen voll zu laden.
Damit Käufer nicht die Katze im Sack erwerben, lässt der Händler bei jedem Fahrzeug ein Batteriegutachten erstellen. Es gibt Auskunft über den sogenannten Gesundheitszustand der Zellen, also darüber, wie viel der ursprünglichen Kapazität noch vorhanden ist. Der Bericht kostet rund hundert Euro, schafft aber Vertrauen und erleichtert die Preisverhandlung. Bei Privatverkäufen fehle ein solcher Nachweis häufig, sodass Käufer das Risiko selbst tragen. Verbraucherzentralen raten deshalb, ohne Gutachten einen deutlichen Preisabschlag zu verlangen oder vom Kauf Abstand zu nehmen.
Trotz aller Beruhigung bleibt der Gebrauchtmarkt für Elektroautos preislich unruhig. In den ersten drei Jahren verlieren sie nämlich oft schneller an Wert als vergleichbare Verbrenner. Ein Grund ist der rasche technische Fortschritt: Kaum ist ein Modell auf dem Markt, folgt das nächste mit größerer Reichweite und schnellerem Laden, und das ältere wirkt plötzlich überholt. Hinzu kommen Preissenkungen bei Neuwagen, die auch die Preise der gebrauchten Modelle drücken. Für Käufer ist das eine Chance: Wer kein neues Auto braucht, bekommt für wenig Geld ein Fahrzeug, das für den Alltag völlig ausreicht.
Ein weiterer Vorteil, den Teschner gern nennt, sind die geringen Unterhaltskosten. Elektroautos haben weniger bewegliche Teile, brauchen keinen Ölwechsel und verschleißen bei den Bremsen langsamer, weil sie beim Verzögern Energie zurückgewinnen. Wer im Jahr viel fährt, spart dadurch Werkstattkosten, und die Versicherung ist bei vielen Modellen inzwischen vergleichbar mit der eines Verbrenners.
Wie ein Kauf in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel der Lehrerin Ines Albers. Sie pendelt täglich dreißig Kilometer zur Schule und wollte kein Neufahrzeug kaufen, das sie nicht bezahlen kann. Teschner empfahl ihr ein vier Jahre altes Modell, dessen Batteriegutachten noch einen sehr guten Wert auswies. Vor der Übergabe fuhr sie das Auto eine Stunde probe und ließ sich erklären, wie man Ladeleistung und Reichweitenanzeige richtig deutet. Zu Hause lädt sie nun über Nacht an einer einfachen Wallbox. Nach einem halben Jahr, sagt sie, vermisse sie weder den Tankstellenbesuch noch den Geruch von Abgasen. Auch die Herstellergarantie ging beim Verkauf auf sie über, ein Punkt, auf den Teschner bei jedem Fahrzeug achtet.
Was geschieht, wenn der Akku tatsächlich schwächelt? Sinkt die Kapazität auf etwa siebzig bis achtzig Prozent, reicht sie für ein Auto oft nicht mehr aus, für andere Zwecke aber noch lange. Ausgediente Fahrzeugbatterien werden deshalb zunehmend als stationäre Speicher weiterverwendet, etwa in Verbindung mit Solaranlagen auf Wohnhäusern oder Gewerbehallen. Dort ist das Gewicht egal, und auch eine geringere Leistung stört nicht. Fachleute sprechen von einem zweiten Leben, das den Akku um viele Jahre verlängern kann.
Am Ende steht aber immer das Recycling. In einem Betrieb im Osten des Landes werden Altbatterien geschreddert und chemisch aufbereitet. Wertvolle Metalle wie Nickel, Kobalt und Kupfer lassen sich dabei zu einem großen Teil zurückgewinnen und für neue Zellen nutzen. Schwieriger ist es mit Lithium: Die Rückgewinnung ist bisher aufwendig und teuer, sodass vieles noch aus neuen Quellen stammt. Branchenvertreter hoffen, dass sich das mit größeren Mengen und besseren Verfahren ändert. Bis dahin, sagt Teschner, sei das beste Recycling ein Akku, der möglichst lange im Auto bleibt.
Connecte-toi pour enregistrer ton résultat à la fin de cette simulation.