Jeder Tropfen zählt: So sparen Haushalte Wasser
Wer morgens den Hahn aufdreht, denkt selten darüber nach, woher das Wasser kommt. Es fließt einfach, kalt oder warm, in jeder Menge und zu jeder Tageszeit. In vielen Regionen 1. Nach mehreren trockenen Sommern sinken vielerorts die Grundwasserspiegel, und Versorger bitten ihre Kunden immer häufiger darum, sparsam mit der Ressource umzugehen. Gleichzeitig zeigen Befragungen, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung kaum eine Vorstellung davon macht, wie viel Wasser sie täglich verbraucht.
Dabei ist der private Verbrauch erstaunlich hoch. Im Durchschnitt verbraucht jeder Einwohner mehr als hundert Liter Trinkwasser pro Tag, 2. Getrunken und gekocht wird davon nur ein winziger Bruchteil. Den größten Posten bilden Baden und Duschen, gefolgt von der Toilettenspülung und der Wäsche. Das bedeutet auch: Wer sparen will, muss nicht beim Durst ansetzen, sondern bei den Gewohnheiten.
Doch auch in der Küche und im Alltag gibt es viele kleine Stellschrauben. Wer Obst und Gemüse in einer Schüssel statt unter dem laufenden Hahn wäscht, spart bei jedem Mal mehrere Liter, und das Restwasser eignet sich noch für die Zimmerpflanzen. Beim Zähneputzen genügt ein Becher, beim Händewaschen reicht es, den Hahn nur zum Abspülen zu öffnen. Das Wasser, in dem Kartoffeln oder Nudeln gekocht wurden, kühlt man ab und verwendet es zum Gießen von Topfpflanzen. Keine dieser Gewohnheiten erfordert große Anstrengung, aber zusammen ergeben sie über das Jahr eine beachtliche Menge.
Das größte Potenzial liegt im Bad. Ein Vollbad braucht rund einhundertfünfzig Liter, eine kurze Dusche weniger als die Hälfte davon. Wer beim Einseifen und Shampoonieren das Wasser kurz abstellt, kann 3. Auch moderne Armaturen helfen: Sparduschköpfe und Strahlregler, 4, gibt es schon für wenige Euro, und sie haben sich meist innerhalb eines Jahres bezahlt gemacht. Bei der Toilettenspülung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Alte Spülkästen benötigten bis zu zwölf Liter pro Spülung, 5. Wer noch einen alten Kasten besitzt, kann ihn oft mit einer Spartaste oder einem Stopp-Mechanismus nachrüsten, ohne gleich das ganze Bad umbauen zu müssen.
Besonders ärgerlich sind Verluste, die man nicht sieht. Ein Wasserhahn, der nur im Sekundentakt tropft, verschwendet über ein Jahr gerechnet mehrere tausend Liter, 6. Ähnlich verhält es sich mit Toilettenspülungen, die leise nachlaufen. Fachleute raten deshalb, gelegentlich den Wasserzähler abzulesen, wenn niemand im Haus Wasser nutzt. Dreht sich das Zählwerk trotzdem weiter, ist irgendwo ein Leck.
Im Sommer steigt der Verbrauch vieler Haushalte mit Garten um ein Vielfaches. Erfahrene Gärtner kennen deshalb eine einfache Regel: Gegossen wird nicht nach Gefühl, sondern nach Plan. Eine Faustformel lautet, lieber seltener und dafür gründlich zu wässern, damit die Wurzeln in die Tiefe wachsen und die Pflanzen auch trockene Tage überstehen. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt, und die einfachste Regel lautet, 7. Wer sich daran hält, vermeidet unnötige Verluste. Mulchen, also das Abdecken der Beete mit Rasenschnitt oder Rindenstücken, hält die Feuchtigkeit zusätzlich länger im Boden.
Auch bei den Haushaltsgeräten lohnt der Blick aufs Typenschild. Moderne Geschirrspüler kommen mit weniger als zehn Litern pro Durchgang aus, während beim Abwasch von Hand mit laufendem Hahn oft das Doppelte oder Dreifache verbraucht wird. Waschmaschinen sollten möglichst voll beladen werden, und das Sparprogramm braucht zwar länger, benötigt aber deutlich weniger Wasser und Strom. Eine vierköpfige Familie aus einem Vorort, die der Wasserversorger ein Jahr lang begleitet hat, senkte ihren Verbrauch allein durch solche Maßnahmen um etwa ein Fünftel, ohne dass sich der Alltag spürbar veränderte. „Das Schwierigste war, überhaupt damit anzufangen“, erzählt die Mutter.
Wer heißes Wasser nutzt, spart doppelt, denn die Erwärmung kostet Energie. Ein Wasserhahn mit Einhebelmischer, der sich auf kalt voreinstellen lässt, verhindert, dass bei jedem kurzen Händewaschen unnötig der Boiler anspringt. Lange Warmwasserleitungen zwischen Heizung und Küche führen zudem dazu, dass man zunächst mehrere Liter kaltes Wasser ungenutzt ablaufen lässt, bis das warme ankommt. Ein Eimer am Waschbecken fängt dieses Wasser auf und liefert es später dem Putzwasser oder den Blumen. Es sind Kleinigkeiten, die aber zeigen, dass Sparsamkeit nicht Verzicht bedeuten muss.
Viele Städte unterstützen inzwischen ihre Bürger mit Aktionen. Manche Versorger verschenken Strahlregler, andere bieten kostenlose Beratungen an oder fördern den Austausch alter Armaturen mit einem Zuschuss. Wasser sparen lohnt sich nämlich doppelt: Es senkt die Rechnung und 8. Und es zeigt, dass ein kostbares Gut keineswegs selbstverständlich ist, nur weil es so leicht aus der Leitung kommt.