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Als Jonas Keller vor drei Jahren seine Ausbildung zum Elektriker begann, war er stolz auf sein erstes eigenes Gehalt. Endlich konnte er sich Dinge kaufen, von denen er vorher nur geträumt hatte: neue Turnschuhe, ein Smartphone, Kleidung. Das meiste bestellte er im Internet, denn dort konnte er die Rechnung erst später bezahlen. „Ich dachte, das sei gar kein richtiges Geld“, erzählt der heute Zweiundzwanzigjährige. „Am Monatsende habe ich einfach geschaut, wie viel auf dem Konto war, und den Rest habe ich gar nicht gezählt.“
Nach einem Jahr hatte Jonas fast viertausend Euro Schulden, bei verschiedenen Onlineshops und bei seiner Bank, die ihm den Dispokredit großzügig erlaubt hatte. Die Mahnungen stapelten sich auf dem Küchentisch, ungeöffnet. „Ich hatte Angst, die Briefe aufzumachen. Ich dachte, wenn ich sie nicht lese, existieren die Probleme nicht“, sagt er. Seinen Eltern erzählte er nichts, weil er sich schämte. Erst als sein Konto gesperrt wurde und er die Miete nicht mehr bezahlen konnte, suchte er Hilfe.
In der Schuldnerberatung seiner Stadt traf er auf die Sozialarbeiterin Petra Hoffmann. Sie hat in ihrem Berufsleben schon Hunderte junge Menschen beraten. „Jonas ist kein Einzelfall“, sagt sie. „Viele junge Erwachsene haben nie gelernt, mit Geld umzugehen, weil in der Schule und oft auch in der Familie nicht darüber gesprochen wird.“ Zuerst, erklärt sie, müsse man sich einen Überblick verschaffen. Gemeinsam sortierten sie alle Briefe, schrieben jede Forderung auf und verhandelten mit den Firmen über kleine monatliche Raten.
Heute zahlt Jonas jeden Monat zweihundert Euro zurück. Das ist viel, aber es klappt. Er führt ein Haushaltsbuch, in dem er alle Ausgaben notiert, und er hat gleich nach dem Gehaltseingang einen Dauerauftrag für Miete und Strom eingerichtet. Die Kreditkarte hat er zerschnitten. Wenn er sich etwas Teures wünscht, wartet er mindestens vierzehn Tage. „Meistens habe ich es dann schon vergessen“, lacht er.
Seit einiger Zeit erzählt Jonas seine Geschichte auch in Berufsschulen, gemeinsam mit Frau Hoffmann. Die Schüler hören aufmerksam zu. „Das hat mehr Wirkung, als wenn ein Lehrer Zahlen an die Tafel schreibt“, findet sie. Und Jonas sagt: „Ich wünsche mir, dass mehr junge Leute früh über Geld sprechen, ohne sich zu schämen. Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen – schlimm ist nur, wenn man sie versteckt.“ Seine Schulden sollen in etwa zwei Jahren abbezahlt sein.
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