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Jeden Dienstag um halb neun fährt Hans Berger den großen, grünen Bus aus der Garage der Kreisbibliothek. Der Achtundfünfzigjährige ist seit elf Jahren Fahrer und Bibliothekar in einer Person. Seine Route führt ihn durch zwölf Dörfer im Landkreis, in denen es keine eigene Bücherei gibt. „Früher gab es fast in jedem Ort eine kleine Bibliothek“, erzählt er. „Aber die Gemeinden konnten sich das Personal nicht mehr leisten, und so wurden viele Büchereien geschlossen.“ Der Bücherbus ist die Lösung des Landkreises: Statt dass die Menschen weite Wege fahren, kommt die Bibliothek zu ihnen.
Im Bus stehen rund viertausend Medien: Romane, Kinderbücher, Hörbücher, Kochbücher und sogar ein paar Brettspiele. Wer etwas Bestimmtes sucht, das nicht im Bus ist, kann es bestellen. Beim nächsten Besuch liegt es dann bereit. „Das ist mein Lieblingsservice“, sagt Berger. „Manche Leute warten richtig gespannt darauf.“ Besonders beliebt sind Krimis und Bücher über Gartenarbeit. Aber auch die Kinder kommen gern. In Waldau stehen jeden Dienstag schon zehn Minuten vor der Ankunft des Busses mehrere Grundschüler an der Haltestelle und winken.
Neben dem Verleih hat Berger noch eine andere Aufgabe, die ihm viel bedeutet: Er hört den Kunden zu. Viele ältere Bewohner leben allein, und der kurze Besuch im Bus ist für sie ein wichtiger Moment in der Woche. „Frau Hartmann aus Brunnen bleibt immer eine halbe Stunde und erzählt mir von ihrem Garten“, sagt er und lacht. „Ich glaube, sie leiht die Bücher eigentlich nur aus, damit sie einen Grund hat, zu kommen.“ Deshalb plant er seine Fahrzeiten bewusst großzügig, auch wenn der Fahrplan dadurch manchmal durcheinandergerät.
Doch die Zukunft des Busses ist nicht sicher. Er ist inzwischen fast zwanzig Jahre alt, und die Reparaturen werden immer teurer. Im vergangenen Jahr stand er drei Wochen lang in der Werkstatt, und die Kunden mussten auf ihre Bücher verzichten. Der Kreistag diskutiert deshalb über einen neuen Bus, der mit Strom fährt und eine Rampe für Rollstuhlfahrer hat. Das Fahrzeug würde etwa vierhunderttausend Euro kosten. Ein Förderverein sammelt bereits Spenden, und die Bürgerinnen und Bürger zeigen sich großzügig: Schon über dreißigtausend Euro sind zusammengekommen.
Berger hofft, dass die Entscheidung bald fällt. „Ich gehe in drei Jahren in Rente“, sagt er. „Bis dahin möchte ich gern noch einmal in einem neuen Bus sitzen.“ Und wenn nicht? Dann, meint er, würde er trotzdem weitermachen – solange der alte Bus noch fährt.
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