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Zurück zur Natur: Warum immer mehr Familien das Campen lieben
Vor einigen Jahren hätte sich Martina Hartmann nicht vorstellen können, ihren Urlaub in einem Zelt zu verbringen. Die 42-jährige Lehrerin aus Köln liebte Hotels mit Frühstücksbuffet und Zimmerservice. Dann musste die Familie ihre geplante Reise nach Spanien absagen, weil die Fluggesellschaft alle Flüge gestrichen hatte. „Mein Mann hatte die Idee, einfach mit einem geliehenen Wohnwagen an die Ostsee zu fahren“, erzählt sie. „Ich war skeptisch, aber schon nach dem ersten Abend am Lagerfeuer war ich überzeugt.“
Die Hartmanns sind kein Einzelfall. Nach Angaben des Branchenverbands sind die Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Besonders viele junge Familien und Paare zwischen dreißig und vierzig Jahren entdecken diese Urlaubsform für sich. Als Gründe nennen sie vor allem die Freiheit, die Nähe zur Natur und die niedrigen Kosten. Wer gut plant, zahlt für eine vierköpfige Familie oft weniger als die Hälfte des Preises für ein Hotelzimmer.
Doch wer glaubt, Camping bedeute heute noch, auf einer Wiese Ravioli aus der Dose zu essen, irrt. Viele Plätze haben in den letzten Jahren kräftig investiert. Es gibt moderne Sanitärhäuser mit Familienbädern, kostenloses WLAN, Waschmaschinen und manchmal sogar einen kleinen Laden mit frischen Brötchen. „Die Ansprüche der Gäste sind gewachsen“, sagt Jens Albrecht, der seit zwanzig Jahren einen Campingplatz im Allgäu leitet. „Früher wollten die Leute vor allem günstig übernachten. Heute erwarten sie Sauberkeit und Komfort, aber trotzdem das Gefühl, draußen zu sein.“
Das hat allerdings auch Nachteile. Die Nachfrage ist so groß, dass beliebte Plätze in den Sommerferien oft schon im Januar ausgebucht sind. Spontan losfahren, wie es früher möglich war, funktioniert kaum noch. Albrecht empfiehlt deshalb, außerhalb der Hauptsaison zu reisen. Im Mai oder im September sei es ruhiger, die Preise seien niedriger, und das Wetter sei oft genauso schön. „Außerdem haben wir dann mehr Zeit für unsere Gäste“, sagt er.
Auch die Hartmanns reisen inzwischen am liebsten im Frühherbst. Ihr Wohnwagen steht jedes Jahr auf demselben Platz am Bodensee. Die beiden Kinder, zehn und zwölf Jahre alt, haben dort Freunde gefunden, die sie nur im Urlaub sehen. „Ohne Fernseher und Handy spielen sie stundenlang draußen“, freut sich Martina Hartmann. Nur eines vermisst sie noch immer: eine Badewanne. „Aber darauf“, sagt sie lachend, „kann ich im Urlaub verzichten.“
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