Text
Zweite Chance für Brot und Gemüse
Wer das Restaurant „Reste-Reich“ in der Altstadt besucht, bekommt keine feste Speisekarte. Auf einer Tafel an der Wand steht jeden Tag etwas anderes: mal eine Gemüsesuppe mit Brot, mal Nudeln mit Tomatensoße und gebratenem Kürbis. Gemeinsam haben alle Gerichte eines: Die Zutaten wären sonst im Müll gelandet.
Die Idee stammt von Sabine Vogt, die 14 Jahre lang als Köchin in einem großen Hotel gearbeitet hat. „Jeden Abend sind riesige Mengen übrig geblieben, die wir wegwerfen mussten“, erzählt die 46-Jährige. „Irgendwann konnte ich das nicht mehr ertragen.“ Vor drei Jahren kündigte sie und eröffnete mit einer Freundin ein kleines Lokal mit 30 Plätzen.
Die Zutaten bekommt das Restaurant von Supermärkten, Bäckereien und Bauernhöfen aus der Umgebung. Es handelt sich zum Beispiel um Obst mit braunen Stellen, Gemüse in ungewöhnlicher Form oder Brot vom Vortag. „Das ist alles in Ordnung, nur verkauft es sich nicht mehr“, sagt Frau Vogt. Morgens um acht Uhr fährt sie mit dem Lieferwagen los und sammelt ein, was die Geschäfte nicht mehr anbieten können. Erst danach entscheidet sie, was am Mittag auf den Tisch kommt. Deshalb gibt es nie mehr als drei Gerichte, und manchmal ist schon um 13 Uhr alles ausverkauft.
Am Anfang waren viele Gäste skeptisch. Manche fragten sogar, ob man das Essen gefahrlos essen könne. Inzwischen hat sich das herumgesprochen, und das Restaurant ist an den meisten Tagen voll. Die Preise sind niedrig – ein Hauptgericht kostet zwischen sechs und neun Euro –, weil die Zutaten fast nichts kosten. Auch viele Studenten und Rentner kommen regelmäßig. „Hier schmeckt es wie bei Oma, nur abwechslungsreicher“, sagt ein Stammgast.
Leicht ist die Arbeit nicht. Weil die Lieferungen jeden Tag anders sind, muss das Team flexibel sein. Manchmal gibt es zu viel Salat und zu wenig Fleisch, manchmal umgekehrt. Fleisch und Fisch kommen ohnehin nur selten auf den Teller; meistens kocht Frau Vogt vegetarisch. Das Geld reicht gerade für die Miete und zwei Angestellte. Reich wird man mit dieser Idee nicht, gibt die Köchin zu.
Trotzdem hat sie schon neue Pläne. Im nächsten Jahr will sie mit Schulklassen kochen. Kinder sollen lernen, wie viel Essen täglich weggeworfen wird und was man daraus machen kann. „Wenn wir mit den Jüngsten anfangen, ändert sich vielleicht auch in den Familien etwas“, hofft sie.
Lisez le texte et choisissez la bonne réponse. La correction sera donnée à la fin de l’épreuve.
Connecte-toi pour enregistrer ton résultat à la fin de cette simulation.