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Am Birkenweg in einer Kleinstadt im Norden sehen alle Häuser fast gleich aus: rote Dächer, kleine Vorgärten, Garagen. Lange Zeit war es hier trotzdem nicht besonders freundlich. „Man hat sich gegrüßt, mehr nicht“, erzählt Heike Brandt, die seit zwanzig Jahren im Birkenweg wohnt. Vor drei Jahren wurde ein Streit richtig schlimm: Ein Nachbar hatte seine Hecke so hoch wachsen lassen, dass die Familie nebenan im Sommer keine Sonne mehr auf der Terrasse hatte. Es gab Briefe von Anwälten, und einmal kam sogar die Polizei, weil spätabends laut gestritten wurde.
Heike Brandt wollte diese Stimmung nicht länger hinnehmen. Sie hängte einen Zettel an den Laternenmast: „Wer hat Lust, im Sommer gemeinsam zu feiern? Ich suche Mitstreiter!“ Zuerst meldete sich niemand. Erst nach einer Woche klingelte der Rentner Wolfgang Kern an ihrer Tür. „Ich war skeptisch“, gibt er zu, „aber ich dachte: Schlechter kann es nicht werden.“ Gemeinsam gingen die beiden von Haus zu Haus und fragten, wer mitmachen würde. Ausgerechnet der Mann mit der hohen Hecke sagte als Erster zu und bot an, seinen Garten für das Fest zur Verfügung zu stellen.
Das erste Fest war klein. Es kamen etwa vierzig Personen, es gab Würstchen vom Grill und Salate, die jeder mitgebracht hatte. Doch schon an diesem Nachmittag, so erinnert sich Brandt, seien Gespräche entstanden, die es vorher nie gegeben habe. „Wir haben festgestellt, dass viele die gleichen Sorgen haben, zum Beispiel wegen des Verkehrs oder der Müllabfuhr.“ Aus dieser Einsicht entstand ein Nachbarschaftsverein, der inzwischen fünfunddreißig Mitglieder hat. Er kümmert sich um kleine gemeinsame Aufgaben: Bänke vor dem Spielplatz, ein Leihregal für Werkzeug und eine Liste, in die man sich einträgt, wenn man Hilfe beim Einkaufen braucht.
Natürlich läuft nicht alles perfekt. Jedes Jahr wird diskutiert, ob die Musik zu laut ist, und manche Nachbarn kommen nie zum Fest. „Das ist in Ordnung“, sagt Kern, „niemand muss mitmachen.“ Wichtiger sei, dass man sich nun traut, einander anzusprechen, wenn etwas stört. Die Hecke wurde übrigens nicht abgeschnitten, sondern nur etwas niedriger gehalten, nachdem man in Ruhe darüber geredet hatte.
Für das nächste Jahr plant der Verein etwas Neues: ein Fest, zu dem auch die Nachbarstraßen eingeladen werden. „Wir wollen zeigen, dass so etwas überall möglich ist“, sagt Brandt. Sie hofft, dass sich bald auch in anderen Vierteln der Stadt Menschen zusammentun.
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