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Jeden Morgen um Viertel vor sieben schiebt Benjamin Fischer sein Fahrrad aus dem Keller. Der achtunddreißigjährige Buchhalter arbeitet in einem Büro am anderen Ende der Stadt, zwölf Kilometer von seiner Wohnung entfernt. Bis vor zwei Jahren fuhr er diese Strecke mit dem Auto. „Ich stand fast jeden Tag im Stau“, erzählt er. „Manchmal habe ich fast eine Stunde gebraucht, und dann musste ich noch einen Parkplatz suchen.“
Der Wendepunkt kam, als sein Auto kaputtging und die Reparatur über tausend Euro gekostet hätte. Fischer überlegte nicht lange und verkaufte den Wagen. Anfangs war er skeptisch: Würde er die Strecke schaffen, besonders im Winter? Er kaufte sich ein gebrauchtes Elektrorad, mit dem er auch Steigungen mühelos bewältigt. Heute braucht er nur vierzig Minuten, und das Ergebnis überrascht ihn immer wieder: Er ist oft schneller als seine Kollegen, die im Berufsverkehr unterwegs sind.
Natürlich gibt es auch Nachteile. Bei Regen kommt er nass im Büro an und muss sich umziehen. Deshalb hat ihm sein Arbeitgeber einen kleinen Raum mit Dusche und Schrank eingerichtet. Viele Firmen in der Stadt überlegen inzwischen, ähnliche Angebote zu machen, denn Mitarbeiter, die mit dem Rad kommen, sind laut einer Studie seltener krank.
Problematisch findet Fischer vor allem die Sicherheit. Auf einem Teil seiner Strecke gibt es keinen eigenen Radweg, und an der großen Kreuzung am Bahnhof müssen sich Radfahrer die Fahrbahn mit Lastwagen teilen. „Da habe ich schon gefährliche Situationen erlebt“, sagt er. Einmal wurde er beinahe von einer Autotür getroffen. Seitdem trägt er immer einen Helm und fährt auf diesem Abschnitt besonders vorsichtig. Er engagiert sich außerdem in einer Bürgerinitiative, die von der Stadt sicherere Kreuzungen fordert.
Ein Auto vermisst er kaum. Wenn er einmal einen Großeinkauf machen oder eine längere Reise unternehmen muss, leiht er sich über ein Carsharing-Angebot ein Fahrzeug. Das ist für ihn viel günstiger, als ein eigenes Auto zu besitzen. Er schätzt, dass er jeden Monat etwa dreihundert Euro spart. Auch seine Gesundheit hat sich verbessert: Er hat fünf Kilo abgenommen und schläft besser.
Seine Frau war anfangs nicht begeistert, doch inzwischen fährt sie am Wochenende mit den Kindern zum Schwimmbad, ebenfalls mit dem Rad. „Wir sind ein Stück freier geworden“, sagt Fischer. Und wenn ihn jemand fragt, ob er sich vorstellen könne, wieder ein eigenes Auto zu kaufen, antwortet er mit einem klaren Nein.
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