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Zwischen Homeoffice und Schreibtisch: Wie eine Versicherung das Arbeiten neu organisiert
Als die Mitarbeiter der Lindner Versicherung in Ulm vor drei Jahren fast alle von zu Hause aus arbeiteten, schien das für viele die perfekte Lösung. Man sparte den Weg zur Arbeit, konnte die Kinder selbst von der Schule abholen und hatte mehr Ruhe. Doch nach einiger Zeit meldeten sich immer mehr Beschäftigte bei der Personalabteilung: Sie vermissten den Austausch mit den Kollegen.
„Ein Gespräch in der Kaffeeküche ersetzt keine Videokonferenz“, sagt Personalleiterin Karin Arnold. „Gerade neue Mitarbeiter fühlten sich oft allein und trauten sich nicht, Fragen zu stellen.“ Die Firma hat deshalb ein Modell entwickelt, das beides verbindet. Seit dem Frühjahr arbeitet jedes Team an zwei festen Tagen pro Woche im Büro, an den übrigen drei Tagen darf jeder selbst entscheiden, wo er arbeitet. Welche Tage das sind, legen die Teams gemeinsam fest.
Für Ahmet Yilmaz, der in der Schadensabteilung arbeitet, war die Umstellung zunächst nicht einfach. „Ich wohne 40 Kilometer entfernt, und ich hatte mich daran gewöhnt, morgens nicht im Stau zu stehen“, erzählt er. Inzwischen sieht er aber auch die Vorteile. „Wenn wir im Büro sind, besprechen wir die schwierigen Fälle. Das geht persönlich viel schneller als per E-Mail.“ Aufgaben, bei denen er Ruhe braucht, erledigt er weiterhin zu Hause.
Die Firma musste auch die Räume umbauen. Weil nicht mehr alle gleichzeitig kommen, gibt es keine festen Schreibtische mehr. Wer ins Büro kommt, bucht sich über eine App einen freien Platz. Dafür wurden zusätzliche Besprechungsräume und eine große Küche eingerichtet. Nicht alle waren davon begeistert. Die Sekretärin Marta Petrović vermisste zuerst ihren eigenen Schreibtisch mit den Fotos ihrer Familie. „Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt“, sagt sie. „Jetzt sitze ich jeden Tag neben anderen Kollegen und lerne Leute kennen, mit denen ich vorher nie gesprochen habe.“
Eine Umfrage im Betrieb zeigt, dass heute rund 80 Prozent der Beschäftigten mit der Lösung zufrieden sind. Auch die Zahl der Krankmeldungen ist leicht gesunken. Die Geschäftsleitung ist deshalb überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Dennoch gibt es noch Probleme: Wenn ein Teil des Teams im Büro ist und ein anderer zu Hause, sind Besprechungen manchmal schwierig, weil die Technik nicht immer funktioniert.
Karin Arnold will daran arbeiten. „Wir lernen noch“, sagt sie. „Aber eines ist uns klar geworden: Gute Arbeit entsteht nicht nur durch Technik, sondern auch durch gute Beziehungen zwischen den Menschen.“
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