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Endlich schnell im Netz: Wie das Dorf Birkenau aufholt
Wer in Birkenau, einem Dorf mit rund 1.200 Einwohnern im Westerwald, früher ein Video ansehen wollte, brauchte viel Geduld. Oft blieb das Bild stehen, und manchmal brach die Verbindung ganz ab. Das ist seit diesem Frühjahr anders: Das Dorf hat Glasfaserkabel bekommen, und fast jeder Haushalt kann jetzt schnelles Internet nutzen.
Die Idee dazu kam nicht von einem großen Telekommunikationsunternehmen. „Die Firmen haben uns jahrelang gesagt, dass sich der Ausbau bei so wenigen Kunden nicht lohnt“, erzählt Bürgermeisterin Heike Dorn. „Also haben wir beschlossen, es selbst zu versuchen.“ Gemeinsam mit mehreren Nachbargemeinden gründete Birkenau eine Genossenschaft. Jeder Haushalt konnte Mitglied werden und einen Anteil von 500 Euro bezahlen. Innerhalb von drei Monaten hatten sich genug Bürger gemeldet, sodass die Arbeiten beginnen konnten. Zusätzlich gab es Geld vom Land.
Viele Einwohner halfen auch praktisch mit. Landwirte stellten Bagger zur Verfügung, und Jugendliche verteilten Informationszettel in den Briefkästen. „Am Anfang waren einige skeptisch, weil die Straßen aufgerissen wurden und der Lärm groß war“, sagt Dorn. „Aber als die ersten Familien ihren Anschluss testeten, war die Stimmung sofort besser.“
Besonders froh über die neue Verbindung ist Bäckermeister Thomas Ruf. Er verkauft seine Brote seit einem Jahr auch online, konnte die Bestellungen aber nur schwer bearbeiten. „Manchmal musste ich nachts im Büro warten, bis die Seite geladen war“, erinnert er sich. Heute dauert das nur ein paar Sekunden. Inzwischen liefert er seine Backwaren sogar in die Nachbarorte.
Auch für die Grundschule hat sich viel verändert. Die Kinder führen jetzt Videokonferenzen mit einer Partnerschule in Frankreich und lernen so Französisch mit Gleichaltrigen. Lehrerin Sabine Moll findet das großartig, wünscht sich aber noch mehr Tablets für den Unterricht. „Das Internet ist da, doch an den Geräten fehlt es noch“, sagt sie.
Nicht alle sind begeistert. Die 78-jährige Anna Weiß hat keinen Anschluss bestellt. „Ich telefoniere mit meinem alten Festnetztelefon und lese die Zeitung auf Papier“, sagt sie lächelnd. Trotzdem findet sie die neue Verbindung gut, weil ihre Enkel jetzt öfter zu Besuch kommen und bei ihr auch arbeiten können. Die Genossenschaft will im nächsten Jahr Kurse für ältere Einwohner anbieten.
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