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Winter ohne Schnee: Ein Skiort sucht neue Wege
Kirchbach im Schwarzwald war lange ein Ort, an dem man sich im Dezember auf Schnee verlassen konnte. Seit Jahrzehnten kommen Familien aus ganz Deutschland, um hier Ski zu fahren und Schlitten zu fahren. Doch der vergangene Winter war so mild wie kaum einer zuvor. Nur an neun Tagen konnten die Lifte überhaupt laufen, und an Weihnachten regnete es sogar. Viele Hotelzimmer blieben leer.
Für Bürgermeisterin Ines Moser war das ein Weckruf. „Wir können nicht jedes Jahr hoffen, dass es endlich schneit“, sagt sie. Zuerst dachte man im Gemeinderat darüber nach, mehr Schneekanonen anzuschaffen. Doch das wäre teuer, und die Anlagen brauchen viel Wasser und Strom. Außerdem funktionieren sie nur, wenn es kalt genug ist. Deshalb entschied die Gemeinde, das Geld lieber in andere Angebote zu investieren.
Seitdem hat sich einiges verändert. Im Winter werden jetzt geführte Schneeschuhwanderungen angeboten, wenn Schnee liegt, und Winterspaziergänge mit Pferdeschlitten, wenn nicht. Im Dorfzentrum ist eine Therme entstanden, die auch bei Regen gut besucht ist. Mehrere Gasthöfe bieten Kochkurse mit regionalen Produkten an. „Die Gäste wollen Erholung, nicht unbedingt Pisten“, erklärt Hotelier Karl Stieger. „Wenn wir ihnen gutes Essen, Ruhe und Natur bieten, kommen viele auch ohne Schnee.“
Auch der Sommer gewinnt an Bedeutung. Während es in den Städten immer heißer wird, schätzen viele Urlauber die kühleren Wälder und Seen im Schwarzwald. Die Zahl der Sommergäste ist in den letzten fünf Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Skilehrer Tobias Wagner arbeitet deshalb inzwischen auch als Wanderführer. „Im Winter unterrichte ich weiter, wenn es möglich ist“, sagt er. „Aber ich kann jetzt auch von Mai bis Oktober von meinem Beruf leben, und das gibt mir Sicherheit.“
Nicht alle im Ort sind mit dem Wandel einverstanden. Manche Einwohner fürchten, dass die Tradition verloren geht, und halten die Therme für zu modern. Doch die Bürgermeisterin ist überzeugt: „Wir verändern uns, um zu bleiben. Wer sich nur auf den Schnee verlässt, hat bald gar keine Gäste mehr.“ Die ersten Zahlen geben ihr recht: In den Wintermonaten ist die Zahl der Übernachtungen trotz des schlechten Wetters nur leicht zurückgegangen.
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