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Klein, aber fein
Immer mehr Paare verzichten auf die große Hochzeit
Als Sandra Roth und Markus Engel vor zwei Jahren beschlossen zu heiraten, war für beide klar: Es sollte ein rauschendes Fest mit hundertzwanzig Gästen werden. Die Eltern hatten sich das schon lange gewünscht, und auch Sandra träumte von einem langen weißen Kleid und einer Kutsche. Doch schon nach den ersten Gesprächen mit Festsälen und Cateringfirmen bekam das Paar einen Schreck. „Allein der Saal hätte uns viertausend Euro gekostet, und dann kamen noch Essen, Musik und Blumen dazu“, erzählt Markus. „Wir hätten für die Feier einen Kredit aufnehmen müssen.“
Also änderten die beiden ihre Pläne. Am Ende heirateten sie an einem Freitag im Mai im Standesamt und feierten anschließend mit nur zwanzig Menschen: den Eltern, den Geschwistern und einigen engen Freunden. Gegessen wurde in einem Landgasthof am Rand der Stadt, für den Nachtisch backte Sandras Großmutter ihren berühmten Apfelkuchen. Statt einer Band spielte ein befreundeter Gitarrist. „Es war der entspannteste Tag meines Lebens“, sagt Sandra. „Ich konnte mit jedem Gast in Ruhe sprechen, und das wäre mit hundertzwanzig Leuten nie möglich gewesen.“
Die beiden sind kein Einzelfall. Nach Angaben der Hochzeitsplanerin Birgit Sommer wünschen sich immer mehr Paare eine kleine Feier. „Früher wollten viele alles perfekt haben, wie im Film“, sagt sie. „Heute wollen die Leute vor allem, dass sie sich wohlfühlen.“ Sie beobachtet außerdem, dass Paare öfter unter der Woche heiraten, weil die Räume dann billiger sind. Auch ungewöhnliche Orte seien beliebt, zum Beispiel Gärten, Berghütten oder sogar die Wohnung der Eltern.
Allerdings gibt es auch Probleme. Nicht alle Verwandten verstehen, dass sie nicht eingeladen werden. „Meine Tante war wochenlang beleidigt“, erzählt Markus. Um Streit zu vermeiden, haben die beiden zwei Wochen später ein Sommerfest im Garten der Eltern veranstaltet, zu dem jeder kommen durfte, der wollte. Dort gab es Würstchen vom Grill und Salate, die die Gäste selbst mitgebracht hatten. Das Fest kostete weniger als vierhundert Euro, und alle waren zufrieden.
Birgit Sommer rät Paaren, die kleine Feier nicht als Notlösung zu sehen. „Wichtig ist, dass man früh darüber spricht, was einem wirklich wichtig ist“, meint sie. „Wer zuerst die Liste der Gäste schreibt und danach erst das Geld verteilt, kommt am Ende viel besser zurecht.“ Sandra und Markus würden jedenfalls wieder so heiraten. Das gesparte Geld haben sie übrigens in eine gemeinsame Reise nach Norwegen investiert.
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