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Reparieren statt wegwerfen
Jeden ersten Samstag im Monat verwandelt sich das Gemeindehaus in Neustadt-Süd in eine große Werkstatt. Rund zwanzig Freiwillige sitzen dann an langen Tischen und reparieren Toaster, Lampen, Fahrräder und Kleidung. Das Repair-Café gibt es seit vier Jahren, und es ist inzwischen so beliebt, dass die Besucher manchmal eine Stunde lang auf ihren Platz warten müssen.
Gegründet hat den Verein der pensionierte Elektriker Werner Hahn. „Ich habe gesehen, wie viele Geräte auf dem Sperrmüll landen, obwohl oft nur ein kleines Teil kaputt ist“, erzählt der 68-Jährige. Zuerst wollte er nur seinen Nachbarn helfen. Dann hängte er einen Zettel im Supermarkt auf, und innerhalb von zwei Wochen meldeten sich fünfzehn Menschen, die mitmachen wollten. Heute hat der Verein mehr als sechzig Mitglieder.
Die Regeln sind einfach. Wer etwas mitbringt, bleibt dabei und schaut den Helfern über die Schulter. „Wir reparieren nicht für die Leute, sondern mit ihnen“, sagt Hahn. So lernen die Besucher, wie ihr Gerät funktioniert, und können kleinere Probleme später selbst lösen. Die Reparatur ist kostenlos. Auf dem Tisch am Eingang steht aber eine Spendendose, und die meisten Gäste werfen ein paar Euro hinein. Mit dem Geld kauft der Verein Ersatzteile und Werkzeug.
Nicht alles lässt sich retten. Etwa jedes dritte Gerät ist so stark beschädigt, dass die Helfer aufgeben müssen. Trotzdem gehen die meisten Besucher zufrieden nach Hause. „Hier trinkt man Kaffee, lernt neue Leute kennen und fühlt sich nicht allein mit seinem Problem“, sagt die Studentin Mira Yilmaz, die seit einem Jahr regelmäßig kommt. Sie hat zunächst einen kaputten Kopfhörer mitgebracht, inzwischen hilft sie selbst beim Nähen von Reißverschlüssen.
Das Café hat aber auch Sorgen. Es fehlt an jungen Helfern, denn die meisten Freiwilligen sind über fünfzig. Außerdem wird es im Gemeindehaus zu eng. Die Stadt hat dem Verein deshalb angeboten, ab dem Frühjahr einen leer stehenden Laden in der Fußgängerzone zu nutzen. Dort könnte das Repair-Café an zwei Tagen pro Woche öffnen. Hahn freut sich über das Angebot, bleibt aber vorsichtig: „Dafür brauchen wir mindestens zehn neue Ehrenamtliche. Sonst schaffen wir das nicht.“
Wer mitmachen möchte, muss kein Experte sein. Auch wer nur gut zuhören kann oder Kaffee kocht, ist willkommen. Der nächste Termin ist schon am kommenden Samstag, um zehn Uhr.
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