Text
Immer mehr Urlauber buchen auf den letzten Drücker
Früher planten viele Familien ihren Sommerurlaub schon im Winter. Wer bis Februar nichts gebucht hatte, galt als nachlässig. Heute ist das anders: Nach Angaben des Reisebüros „Weitblick“ in Kassel entscheiden sich mehr als ein Drittel der Kunden erst vier Wochen vor der Abreise. Inhaberin Monika Lindner beobachtet diese Entwicklung seit etwa fünf Jahren. „Viele Menschen wissen nicht, ob sie im Sommer wirklich freibekommen“, erklärt sie. „Andere wollen abwarten, wie das Wetter wird oder ob die Preise sinken.“
Tatsächlich kann sich das Warten lohnen. Hotels und Reiseveranstalter haben oft Zimmer übrig, die sie kurz vor dem Abflug mit hohen Rabatten verkaufen. Wer flexibel ist, spart manchmal ein Drittel des Preises. Allerdings gilt das nicht für alle Reiseziele. Beliebte Orte wie die Balearen oder die italienischen Seen sind in den Ferien meist schon im Mai ausgebucht. Auch Familien mit Kindern haben es schwer, weil sie an die Schulferien gebunden sind und größere Zimmer brauchen. „Wer im August mit vier Personen ans Meer will, sollte sich nicht auf Schnäppchen verlassen“, warnt Lindner.
Eine Familie, die es trotzdem versucht hat, ist die von Samir Haddad aus Göttingen. Eigentlich wollte er mit seiner Frau und den beiden Töchtern nach Kroatien fahren. Als die Familie zwei Wochen vor den Ferien endlich buchen wollte, war nichts mehr frei. „Wir haben stundenlang im Internet gesucht“, erzählt Haddad. Am Ende landeten sie auf einem Bauernhof im Allgäu, den ein Bekannter empfohlen hatte. „Das war überraschend schön. Die Kinder durften Kühe füttern, und wir sind viel gewandert.“ Teurer als geplant sei es nicht gewesen, sagt er, aber ein bisschen Stress habe es schon gegeben.
Das Reisebüro rät deshalb zu einem Mittelweg. Wer sicher gehen will, sollte zumindest die Unterkunft früh buchen und dabei einen Tarif wählen, bei dem man kostenlos stornieren kann. Flüge und Mietwagen findet man oft auch später noch günstig. Außerdem lohne es sich, mehrere Reisedaten zu vergleichen, denn schon ein Tag Unterschied kann beim Preis viel ausmachen. „Eine gute Beratung ersetzt das Internet nicht“, sagt Lindner lächelnd, „aber wir kennen Angebote, die online nicht auftauchen.“
Für die Zukunft rechnet die Inhaberin mit noch mehr spontanen Buchungen. Das liege auch an den Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter häufiger kurzfristig freistellen. Ob das für die Urlauber am Ende wirklich billiger ist, bleibe allerdings offen.
Lisez le texte et choisissez la bonne réponse. La correction sera donnée à la fin de l’épreuve.
Connecte-toi pour enregistrer ton résultat à la fin de cette simulation.