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Ein Sommer in der Werbeagentur
Wenn Lena Kowalski morgens um halb neun das Bürogebäude in der Leipziger Innenstadt betritt, fühlt sie sich nicht mehr wie eine Fremde. Die zweiundzwanzigjährige Studentin der Kommunikationswissenschaft hat drei Monate lang ein Praktikum in einer kleinen Werbeagentur gemacht. Ihre Universität verlangt das nicht, sie hätte den Sommer auch am See verbringen können. „Ich wollte einfach wissen, ob dieser Beruf wirklich zu mir passt“, sagt sie. „Auf dem Papier klingt vieles toll, aber der Alltag sieht oft ganz anders aus.“
Ihren Platz hat Lena über eine Online-Börse gefunden. Nach einem kurzen Telefongespräch und einem Probetag bekam sie die Zusage. Die ersten Wochen waren allerdings ernüchternd. Sie kopierte Unterlagen, kochte Kaffee für Kunden und sortierte alte Plakate im Keller. „Ich dachte schon, dass ich hier nichts Sinnvolles lernen werde“, erinnert sie sich. Vielen Praktikanten geht es ähnlich: Laut einer Umfrage der Handelskammer beklagt etwa jeder dritte, dass er nur einfache Hilfsarbeiten erledigen darf.
Lena beschloss, offen mit ihrer Chefin zu sprechen. Sie sagte freundlich, dass sie gern mehr Verantwortung übernehmen würde. Zu ihrer Überraschung reagierte Anja Reuter sofort: „Ich hatte gar nicht bemerkt, dass du unterfordert bist. Sag es das nächste Mal früher.“ Schon am nächsten Tag bekam Lena eine eigene Aufgabe. Sie sollte für eine kleine Eisdiele im Stadtviertel eine Kampagne für soziale Netzwerke entwickeln. Lena machte Fotos, schrieb kurze Texte und plante einen Wettbewerb, bei dem Kinder ihre Lieblingssorte malen durften.
Der Erfolg war größer als erwartet. Innerhalb von zwei Wochen kamen deutlich mehr junge Familien in das Geschäft, und der Besitzer bedankte sich persönlich bei der Agentur. „Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass meine Arbeit wirklich etwas bewirkt“, sagt Lena. Bezahlt wurde sie mit vierhundertfünfzig Euro im Monat, das reichte gerade für die Miete ihres Zimmers. Trotzdem möchte sie die Zeit nicht missen.
Zum Abschluss bekam Lena ein sehr gutes Zeugnis. Inzwischen arbeitet sie zwei Tage pro Woche als Werkstudentin in der Agentur. Anderen Praktikanten rät sie, nicht still zu warten, bis jemand ihnen Aufgaben gibt. „Man sollte Fragen stellen und eigene Wünsche äußern. Wer nur wartet, bleibt unsichtbar“, sagt sie. Außerdem empfiehlt sie, schon vor Beginn zu klären, was man tun wird und ob man Geld bekommt.
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