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Die letzte Hausärztin im Dorf
In Oberweiler, einem Dorf mit rund zweitausend Einwohnern, gibt es nur noch eine einzige Hausarztpraxis. Dr. Miriam Sauer, 58, führt sie seit mehr als zwanzig Jahren. Jeden Morgen um sieben Uhr schließt sie die Tür auf, und meistens sitzen dann schon die ersten Patienten im Wartezimmer. „Manche kommen nur, um zu reden“, sagt sie und lächelt. „Das gehört auf dem Land einfach dazu.“
Doch die Arbeit wird jedes Jahr mehr. Zwei Kollegen in den Nachbarorten sind in den Ruhestand gegangen, ohne dass jemand ihre Praxis übernommen hat. Seitdem kommen viele Patienten aus einem Umkreis von zwanzig Kilometern zu Dr. Sauer. Ihre Wochenarbeitszeit liegt inzwischen bei fast sechzig Stunden, dazu kommen Hausbesuche bei älteren Menschen, die nicht mehr selbst in die Praxis fahren können. „Ohne Auto würde hier gar nichts gehen“, erklärt sie, „denn der Bus fährt nur dreimal am Tag.“
Warum finden sich so wenige junge Ärztinnen und Ärzte, die aufs Land ziehen wollen? Dr. Sauer nennt mehrere Gründe. Viele junge Mediziner möchten nicht allein arbeiten, sondern lieber im Team mit festen Arbeitszeiten. Außerdem suchen ihre Partner oft eine Stelle in der Stadt, und für Kinder ist die Auswahl an Schulen und Freizeitangeboten kleiner. Hinzu kommt der Papierkram: „Ein Drittel meiner Arbeit ist Verwaltung“, sagt sie.
Der Landkreis versucht gegenzusteuern. Er zahlt neuen Ärzten einen Zuschuss von zwanzigtausend Euro, wenn sie sich für mindestens fünf Jahre auf dem Land niederlassen. Außerdem entsteht in Oberweiler gerade ein kleines Gesundheitszentrum, in dem mehrere Ärzte, eine Physiotherapeutin und eine Apotheke unter einem Dach arbeiten sollen. So müssten die Ärzte nicht mehr alles allein organisieren.
Dr. Sauer findet die Idee gut, will aber noch nicht aufhören. „Ich mag meine Patienten, und viele kenne ich schon seit ihrer Kindheit“, sagt sie. Allerdings sucht sie dringend eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Wenn sie niemanden findet, möchte sie in drei Jahren in Rente gehen. „Dann wäre das Dorf ohne Arzt“, sagt sie nachdenklich. „Das möchte ich mir lieber gar nicht vorstellen.“
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