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Wohnen für Hilfe: Wenn Studierende bei Senioren einziehen
Die Mieten in Universitätsstädten steigen seit Jahren, und für viele Studierende ist es schwer, ein bezahlbares Zimmer zu finden. Gleichzeitig leben viele ältere Menschen allein in großen Wohnungen, in denen Zimmer leer stehen. In Freiburg versucht ein Projekt, beiden Gruppen zu helfen. Es heißt „Wohnen für Hilfe“ und wird von der Stadt und dem Studierendenwerk gemeinsam organisiert.
Das Prinzip ist einfach: Die Studierenden zahlen für ihr Zimmer keine Miete, sondern helfen im Haushalt. Als Faustregel gilt eine Stunde Hilfe pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat. Wer also ein Zimmer von fünfzehn Quadratmetern bewohnt, hilft etwa fünfzehn Stunden im Monat, zum Beispiel beim Einkaufen, bei der Gartenarbeit oder beim gemeinsamen Kochen. Pflege und schwere körperliche Arbeit gehören ausdrücklich nicht dazu. Die Nebenkosten für Strom und Wasser bezahlen die Studierenden allerdings selbst, im Durchschnitt etwa achtzig Euro im Monat.
Die Studentin Lena Maurer, 22, wohnt seit einem Jahr bei der Rentnerin Ingrid Kaiser. „Am Anfang war ich unsicher, ob wir uns verstehen“, erzählt Lena. „Aber schon nach dem ersten Abend haben wir viel gelacht.“ Frau Kaiser, 78, freut sich vor allem darüber, dass abends jemand im Haus ist. „Früher war es sehr still hier. Jetzt höre ich Musik aus dem Nebenzimmer, und das gefällt mir.“ Sie ist auch froh, dass sie nicht allein ist, falls ihr einmal etwas passiert.
Bevor ein Paar zusammenzieht, besuchen die Mitarbeiterinnen des Projekts beide Seiten und führen lange Gespräche. Sie prüfen, ob die Erwartungen zusammenpassen. Außerdem schreiben alle einen Vertrag, in dem genau steht, welche Aufgaben die Studierenden übernehmen. Nach drei Monaten gibt es ein Treffen, bei dem man über Probleme sprechen kann. Falls es nicht klappt, können beide den Vertrag mit einer kurzen Frist beenden.
Nicht immer läuft alles reibungslos. Manche Senioren erwarten mehr Hilfe, als vereinbart wurde, andere Studierende kommen spät nach Hause und wecken ihre Vermieter auf. Meist lassen sich solche Konflikte aber durch ein Gespräch lösen. Nur etwa jedes zehnte Paar trennt sich vorzeitig.
Das Projekt sucht zurzeit neue Wohnungsgeber. Bisher haben sich mehr Studierende gemeldet als ältere Menschen. „Viele haben Angst, einen Fremden in ihr Zuhause zu lassen“, sagt die Projektleiterin Sabine Roth. „Aber wer es einmal probiert hat, will oft nicht mehr zurück.“ Wer Interesse hat, kann sich telefonisch oder im Internet informieren.
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