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Noch einmal die Schulbank drücken
Jeden Dienstag- und Donnerstagabend sitzt Fatma Demir in einem hellen Klassenzimmer der Volkshochschule Nordstadt. Die 41-Jährige holt gerade ihren Realschulabschluss nach – fast 25 Jahre, nachdem sie die Schule verlassen hat.
„Als ich 16 war, musste ich arbeiten, weil meine Eltern das Geld brauchten“, erzählt sie. „Ich habe damals nur den Hauptschulabschluss gemacht und später in einer Reinigungsfirma gearbeitet.“ Lange war das für sie in Ordnung. Doch als ihre Firma vor zwei Jahren neue Mitarbeiter für die Verwaltung suchte, durfte sie sich nicht bewerben, weil ihr der mittlere Abschluss fehlte. „Das hat mich sehr geärgert, und da habe ich beschlossen, etwas zu ändern.“
Die Entscheidung fiel ihr nicht leicht. Sie hat zwei Kinder im Alter von neun und zwölf Jahren und arbeitet tagsüber in Teilzeit. Ihr Mann kocht deshalb an den Kurstagen das Abendessen, und die Kinder helfen im Haushalt mit. „Ohne meine Familie würde das nicht funktionieren“, sagt Frau Demir. Am Anfang hatten die Kinder viele Fragen: Warum muss Mama noch lernen? Heute sind sie stolz auf ihre Mutter.
Der Kurs dauert zwei Jahre und wird von rund 20 Erwachsenen besucht. Der jüngste Teilnehmer ist 19, die älteste Teilnehmerin 58 Jahre alt. Unterrichtet werden Deutsch, Englisch, Mathematik und Politik. Kursleiter Uwe Brandt findet, dass Erwachsene oft besser lernen als Jugendliche: „Sie sind motivierter, weil sie genau wissen, wofür sie es tun. Dafür haben sie manchmal Angst, Fehler zu machen. Diese Angst müssen wir ihnen nehmen.“
Am schwersten fällt Frau Demir Englisch. In der Schule hat sie nie Englisch gelernt, deshalb musste sie bei null anfangen. Inzwischen schaut sie abends Serien mit Untertiteln und übt mit einer Lern-App auf dem Handy, wenn sie im Bus sitzt. Die Kosten für den Kurs sind niedrig: Die Stadt übernimmt den größten Teil, die Teilnehmer zahlen pro Halbjahr nur 60 Euro für Material.
Nicht alle halten durch. Etwa jeder Dritte bricht den Kurs im ersten Jahr ab, meistens aus Zeitmangel oder wegen Problemen im Beruf. Die Volkshochschule will das ändern und bietet deshalb seit diesem Semester eine kostenlose Lernberatung an. Wer Schwierigkeiten hat, kann dort einen Termin vereinbaren.
Frau Demir will durchhalten. Im Sommer schreibt sie ihre Prüfungen, und danach möchte sie sich in ihrer Firma für die Verwaltung bewerben. „Vielleicht mache ich später sogar eine Ausbildung zur Bürokauffrau“, sagt sie lachend. „Man ist nie zu alt, um noch einmal anzufangen.“
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