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Betreff: Neues Leben, neuer Beruf
Lieber Marc,
jetzt sind es schon drei Monate, seit ich die Versicherung verlassen habe, und ich wollte dir endlich schreiben, wie es mir geht. Du hast beim Abschied gesagt, ich sei verrückt, nach zwölf Jahren im Büro noch einmal neu anzufangen. Heute kann ich dir sagen: Es war die beste Entscheidung meines Lebens.
Du weißt, dass ich schon immer gern mit den Händen gearbeitet habe. Im Büro habe ich den ganzen Tag vor dem Bildschirm gesessen, Tabellen geprüft und Telefonate geführt. Abends war ich oft müde, ohne das Gefühl zu haben, wirklich etwas geschafft zu haben. Jetzt mache ich eine Ausbildung zum Tischler in einer kleinen Werkstatt am Stadtrand. Mein Chef, Herr Brandl, ist sechzig und hat viel Geduld mit mir, obwohl ich mit sechsunddreißig der Älteste unter den Auszubildenden bin. Die anderen sind teilweise erst siebzehn und nennen mich „Opa“, aber das nehme ich mit Humor.
Natürlich ist nicht alles einfach. Ich verdiene nur noch ungefähr die Hälfte, und wir mussten uns eine kleinere Wohnung suchen. Meine Frau unterstützt mich zum Glück sehr, auch wenn sie sich anfangs Sorgen gemacht hat. Auch körperlich ist es hart: In den ersten Wochen hatte ich jeden Abend Rückenschmerzen und bin schon um neun Uhr eingeschlafen. Inzwischen gewöhne ich mich daran.
Am schönsten ist der Moment, wenn ein Möbelstück fertig ist. Letzte Woche habe ich meinen ersten Tisch gebaut, aus Eiche. Er steht jetzt bei meiner Schwester im Esszimmer, und ich bin richtig stolz darauf. Dieses Gefühl hatte ich im Büro nie.
Manchmal vermisse ich allerdings die Kollegen, vor allem unsere Kaffeepausen mit dir. Wie wäre es, wenn wir uns bald mal treffen? Komm doch an einem Samstag in die Werkstatt, ich zeige dir alles. Danach gehen wir etwas essen, und ich lade dich ein.
Viele Grüße
Jan
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