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Vier Tage arbeiten, drei Tage frei – und das bei vollem Gehalt? Was vor einigen Jahren noch wie ein Traum klang, probieren heute immer mehr Betriebe in Deutschland aus. Eine Druckerei in Münster zum Beispiel hat die Vier-Tage-Woche vor einem Jahr eingeführt. Die rund 80 Beschäftigten arbeiten nun nur noch von Montag bis Donnerstag, und zwar 32 statt 40 Stunden pro Woche. Ihr Gehalt blieb gleich.
Die Idee kam nicht von der Chefin, sondern von den Mitarbeitern selbst. Viele hatten gesagt, dass sie nach Feierabend zu müde seien, um noch etwas zu unternehmen. Außerdem fiel es der Firma schwer, junge Fachkräfte zu finden. „Wir mussten etwas Neues versuchen“, erzählt Geschäftsführerin Heike Brandt. Zuerst war sie skeptisch, weil sie fürchtete, dass die Kunden unzufrieden sein könnten, wenn freitags niemand erreichbar ist. Deshalb gibt es jetzt ein kleines Team, das sich freitags abwechselnd um Anrufe und dringende Aufträge kümmert.
Nach zwölf Monaten fällt die Bilanz überwiegend positiv aus. Die Zahl der Krankmeldungen ist um ein Fünftel gesunken, und auf die freien Stellen bewerben sich dreimal so viele Menschen wie früher. Auch die Produktion ging nicht zurück: Weil die Abläufe besser geplant werden und es weniger lange Besprechungen gibt, schafft das Team in vier Tagen fast so viel wie vorher in fünf.
Trotzdem ist das Modell nicht für jeden Beruf geeignet. In Krankenhäusern oder im Einzelhandel müssen die Läden und Stationen an sechs oder sieben Tagen besetzt sein. Dort würde eine kürzere Woche bedeuten, dass zusätzliches Personal eingestellt werden muss – und das ist teuer und schwer zu finden. Auch einige Beschäftigte der Druckerei sehen Nachteile: Die Arbeitstage sind dichter, und wer Kinder hat, muss die Betreuung oft neu organisieren. Eine Kollegin klagt außerdem, dass sie am Donnerstagabend manchmal völlig erschöpft sei.
Arbeitsforscher raten Firmen deshalb, die Vier-Tage-Woche zunächst als Testphase über sechs Monate auszuprobieren und die Mitarbeiter regelmäßig zu befragen. Wer das Modell einführen will, sollte vorher klären, welche Aufgaben wirklich wichtig sind. Heike Brandt jedenfalls will nicht zurück: „Ich habe den Eindruck, dass die Leute konzentrierter arbeiten und lieber zur Arbeit kommen.“
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