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Ich muss ehrlich sein: Bis vor einem Jahr hatte ich keine Ahnung, wohin mein Geld jeden Monat verschwindet. Ich bin Studentin im vierten Semester, arbeite zwölf Stunden pro Woche in einem Buchladen und bekomme von meinen Eltern zusätzlich dreihundert Euro. Eigentlich sollte das reichen. Trotzdem war mein Konto am zwanzigsten des Monats regelmäßig leer, und ich musste mir von meiner Schwester Geld leihen. Das war mir furchtbar peinlich.
Im vergangenen Januar habe ich deshalb beschlossen, ein Haushaltsbuch zu führen. Anfangs fand ich das lächerlich, denn ich dachte, so etwas machen nur Rentner. Aber schon nach zwei Wochen war ich schockiert: Allein für Kaffee zum Mitnehmen und Mittagessen habe ich fast neunzig Euro ausgegeben! Dazu kamen drei Streaming-Abos, von denen ich zwei kaum benutzt habe. Die habe ich sofort gekündigt.
Inzwischen schreibe ich jeden Sonntagabend alle Ausgaben in eine App. Das dauert höchstens zehn Minuten. Außerdem habe ich ein zweites Konto eröffnet, auf das automatisch fünfzig Euro im Monat überwiesen werden. Dieses Geld rühre ich nicht an, es ist für Notfälle oder für eine Reise im Sommer. Mein Freund Paul lacht manchmal über mich, weil ich im Restaurant jetzt genau überlege, was ich bestelle. Aber ich finde, es fühlt sich gut an, die Kontrolle zu haben.
Ganz perfekt klappt es natürlich nicht. Im Herbst habe ich mir spontan eine Jacke für hundertachtzig Euro gekauft, obwohl ich sie nicht wirklich brauchte, und danach drei Tage lang ein schlechtes Gewissen gehabt. Ich versuche, mich dafür nicht zu hart zu bestrafen. Ein Haushaltsbuch soll ja kein Gefängnis sein, sondern helfen, bewusste Entscheidungen zu treffen.
Wenn ihr auch manchmal ratlos auf euren Kontostand schaut, probiert es einfach aus. Ich verspreche euch: Es tut nicht weh, und ihr werdet überrascht sein!
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