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Liebe Leserinnen und Leser,
vor genau einem Jahr habe ich meine Ausbildung zur Tischlerin begonnen, und heute möchte ich euch erzählen, wie dieses erste Jahr für mich war.
Ehrlich gesagt hatte ich vorher große Angst. Nach dem Abitur wollte ich eigentlich Architektur studieren, aber nach einem Praktikum in einer Tischlerei habe ich gemerkt, dass ich lieber mit den Händen arbeite, als den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen. Meine Eltern waren zuerst nicht begeistert. Mein Vater meinte, mit meinen Noten könne ich doch etwas „Besseres“ machen. Inzwischen ist er stolz auf mich und zeigt allen Gästen den kleinen Tisch, den ich im Sommer gebaut habe.
Die ersten Wochen waren sehr anstrengend. Ich musste um sechs Uhr aufstehen, und abends hatte ich so müde Arme, dass ich schon um neun Uhr eingeschlafen bin. Auch die Maschinen haben mir am Anfang großen Respekt eingeflößt. Mein Ausbilder, Herr Brandt, ist aber sehr geduldig. Er erklärt jeden Schritt zweimal und sagt immer: „Fehler gehören dazu, nur gefährlich darf es nicht werden.“
In der Berufsschule habe ich dagegen weniger Spaß. Technisches Zeichnen finde ich spannend, aber Wirtschaftskunde langweilt mich ein bisschen. Trotzdem habe ich im Zeugnis eine Zwei bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Das Schönste ist für mich der Moment, wenn ein Möbelstück fertig ist und die Kunden zufrieden sind. Letzte Woche haben wir eine Küche in einer Wohnung eingebaut, und die Besitzerin hat uns mit Kuchen überrascht. Solche Augenblicke machen die schwere Arbeit mehr als wett.
Nicht so gut finde ich, dass ich nur wenig Freizeit habe, während viele meiner Freunde, die studieren, lange ausschlafen können. Dafür verdiene ich schon eigenes Geld und kann mir langsam ein Auto sparen.
Im nächsten Jahr darf ich zum ersten Mal selbst ein Projekt planen. Ich bin schon ganz aufgeregt. Ich melde mich bald wieder!
Eure Lea
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