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Hallo Sophie,
jetzt bin ich schon drei Monate in Tromsø, und es wird Zeit, dass ich dir endlich schreibe. Hier im hohen Norden ist alles ganz anders, als ich es von zu Hause kenne. Besonders das Wetter und das Licht!
Im November ging die Sonne zum letzten Mal auf. Seitdem haben wir die sogenannte Polarnacht: Rund zwei Monate lang bleibt es auch mittags dunkel oder nur ein bisschen blau-dämmrig. Ich dachte, das würde mich total deprimieren, aber es ist nicht so schlimm. Die Norweger machen es sich einfach gemütlich. Überall gibt es Kerzen, Lichterketten und Wolldecken. Dafür gibt es sogar ein Wort: „koselig“.
Die Kälte macht mir mehr Probleme. Letzte Woche hatten wir minus fünfzehn Grad, und ich habe mir fast die Ohren erfroren, weil ich meine Mütze vergessen hatte. Meine Gastmutter hat mich ausgelacht und mir ein Paar Handschuhe aus Schafwolle geschenkt. Seitdem friere ich viel weniger. Und der Schnee ist unglaublich schön: Er liegt seit Oktober, und die ganze Stadt sieht aus wie ein Weihnachtsmärchen.
Letztes Wochenende habe ich zum ersten Mal Nordlichter gesehen! Wir sind mit der Studentengruppe im Bus aus der Stadt gefahren, weil dort weniger Licht stört. Zuerst war der Himmel nur grün und still, aber dann hat er sich bewegt, als würde er tanzen. Ich stand eine Stunde lang draußen, obwohl ich fast gefroren bin, und konnte nicht aufhören zu schauen. Ich habe hunderte Fotos gemacht, aber ehrlich gesagt sehen sie nicht so schön aus wie in Wirklichkeit.
Ich vermisse natürlich den deutschen Sommer, Badeseen und Eis essen. Aber ich freue mich auch auf den Frühling, wenn die Sonne zurückkommt. Die Leute hier sagen, dass der erste Sonnentag ein richtiges Fest ist. Dann kommen alle auf den Marktplatz, und es gibt Waffeln.
Wann besuchst du mich endlich? Im Juni wäre perfekt, dann scheint die Sonne fast rund um die Uhr.
Liebe Grüße
Tim
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