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Liebe Mara,
nun bin ich schon sechs Wochen in Köln, und ich wollte dir endlich ausführlich schreiben. Du weißt ja, dass ich in einem Dorf mit nur dreihundert Einwohnern aufgewachsen bin. Dort kannte jeder jeden, und ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einer Millionenstadt wohnen würde. Aber der Ausbildungsplatz in der Firma war einfach zu gut, um ihn abzulehnen.
Die ersten Tage waren ein Schock. Ich bin ständig im Kreis gelaufen und habe mich in der U-Bahn verfahren. Einmal bin ich sogar eine Stunde in die falsche Richtung gefahren und kam viel zu spät zur Arbeit. Mein Chef hat zum Glück nur gelacht und mir erzählt, dass es ihm am Anfang genauso ging. Inzwischen finde ich mich aber gut zurecht.
Meine Wohnung ist winzig. Ich teile mir mit zwei Mitbewohnern eine Küche, und mein Zimmer ist kaum größer als mein altes Kinderzimmer. Dafür kostet es sechshundert Euro im Monat – bei uns im Dorf unvorstellbar, aber hier ist das normal. Der Vorteil: Ich muss nirgendwo weit fahren, um Leute zu treffen. Schon am zweiten Wochenende war ich mit meinen Kollegen in einer Bar, und letzte Woche habe ich zum ersten Mal ein Konzert in einer richtig großen Halle erlebt. Das war unglaublich!
Was ich am meisten vermisse, ist die Ruhe. Nachts höre ich ständig Sirenen und Straßenbahnen, und ich schlafe immer noch schlecht. Auch die frische Luft fehlt mir. Am Sonntag war ich deshalb allein im Park am Rhein, saß stundenlang auf einer Bank und habe nur den Fluss beobachtet. Da hätte ich fast geweint, weil ich meine Eltern und unseren Hund so vermisst habe.
Aber im Großen und Ganzen bin ich froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Ich lerne jeden Tag etwas Neues und habe das Gefühl, selbstständiger zu werden. Im Dezember komme ich übers Wochenende nach Hause, dann kannst du mir alles aus dem Dorf erzählen. Ich freue mich schon riesig auf unser Wiedersehen!
Deine Lena
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