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Ein Wochenende bei Oma Gerda
Letztes Wochenende habe ich meine Oma besucht, und ich muss ehrlich sagen: Ich hatte vorher keine große Lust. Ich hatte Stress an der Uni, und die Zugfahrt dauert fast drei Stunden. Aber meine Mutter hat mich so lange überredet, bis ich zugesagt habe. Heute bin ich froh darüber.
Als ich ankam, stand Oma schon am Bahnhof und hat mich so fest umarmt, dass ich kaum Luft bekam. Sie ist jetzt achtundsiebzig, aber sie fährt immer noch jeden Morgen mit dem Fahrrad zum Bäcker. Ich habe mir ehrlich Sorgen gemacht, aber sie hat nur gelacht und gesagt, Bewegung halte jung.
Am Abend hat sie ihre berühmte Kartoffelsuppe gekocht, und ich musste ihr beim Schälen helfen. Dabei hat sie mir Geschichten aus ihrer Jugend erzählt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass sie als junge Frau drei Jahre lang in einer Fabrik in Hamburg gearbeitet hat, weil sie unbedingt Geld für eine eigene Wohnung sparen wollte. Sie hat auch erzählt, wie sie meinen Opa kennengelernt hat, der vor sechs Jahren gestorben ist. Als sie von ihm sprach, war sie kurz still, und ich habe ihre Hand genommen. Das war ein sehr schöner, aber auch trauriger Moment.
Am Samstag wollte ich eigentlich den ganzen Tag lernen, aber Oma hatte andere Pläne. Sie hat mich zu ihrem Strickkreis mitgenommen. Ich dachte zuerst, das wird langweilig, doch die Frauen dort waren unglaublich lustig. Eine davon, Frau Köhler, ist über neunzig und hat mir ein Rezept für Apfelkuchen gegeben. Ich habe sogar angefangen, einen Schal zu stricken, auch wenn er ziemlich schief geworden ist.
Was mich am meisten beeindruckt hat: Oma hat kein Smartphone und will auch keins. Sie sagt, sie habe genug Zeit, um Briefe zu schreiben. Früher fand ich das altmodisch, aber jetzt finde ich es fast beneidenswert. Ich habe versprochen, ihr in Zukunft öfter zu schreiben, mit der Hand, auf Papier.
Bei der Abfahrt habe ich fast geweint. Nächstes Mal bleibe ich länger, das habe ich mir fest vorgenommen.
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