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Vor drei Monaten habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt: Ich habe eine Katze aus dem Tierheim geholt. Eigentlich wollte ich ein junges Kätzchen, aber dann sah ich Moritz. Er war acht Jahre alt, saß ganz hinten in seinem Käfig und schaute mich nur ruhig an. Die Pflegerin erzählte mir, dass sein früherer Besitzer ins Pflegeheim ziehen musste und ihn nicht mitnehmen durfte. Da war es um mich geschehen.
Die ersten Tage waren allerdings schwieriger, als ich gedacht hatte. Moritz versteckte sich unter dem Sofa und kam nur nachts heraus, um zu fressen. Ich war ehrlich gesagt enttäuscht und fragte mich, ob ich einen Fehler gemacht hatte. Meine Schwester riet mir, ihm Zeit zu lassen und ihn nicht zu drängen. Also saß ich abends einfach auf dem Boden, las ein Buch und beachtete ihn nicht. Nach etwa zwei Wochen lag er plötzlich neben mir auf dem Teppich. Ich habe fast geweint vor Freude.
Inzwischen hat sich unser Alltag gut eingespielt. Morgens weckt mich Moritz um Punkt sechs Uhr, weil er Hunger hat – leider auch am Wochenende. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, wartet er an der Tür. Mein Freund Tim ist übrigens allergisch gegen Katzenhaare und hatte zuerst große Bedenken. Er nimmt jetzt eine Tablette und sagt, dass es sich lohnt. Teuer ist so ein Tier allerdings auch: Futter, Katzenstreu und der Tierarzt kosten mich im Monat mehr, als ich gedacht habe. Trotzdem würde ich es sofort wieder tun.
Viele Leute möchten lieber ein Jungtier. Ich verstehe das, aber ich möchte allen Mut machen, auch einmal ein älteres Tier zu nehmen. Ältere Tiere sind oft ruhiger, und man weiß schon, welchen Charakter sie haben. Außerdem sind sie dankbar – das spüre ich jeden Tag. Wer also darüber nachdenkt: Besucht ein Tierheim, schaut euch um und lasst euch Zeit. Vielleicht wartet dort jemand wie Moritz auf euch.
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