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Viele Menschen glauben, dass sie umso glücklicher sind, je mehr Freunde sie haben. Soziologen der Universität Mannheim haben nun in einer Studie mit rund zweitausend Erwachsenen untersucht, ob das stimmt. Das Ergebnis überrascht: Nicht die Zahl der Freunde entscheidet über die Zufriedenheit, sondern die Qualität der Beziehungen.
Im Durchschnitt gaben die Befragten an, vier enge Freunde zu haben, also Menschen, mit denen sie über persönliche Sorgen sprechen können. Dazu kamen etwa zehn gute Bekannte, die man gelegentlich trifft, zum Beispiel für ein Essen oder einen Ausflug. Wer mindestens zwei enge Freunde hatte, fühlte sich deutlich seltener einsam als Menschen ohne solche Kontakte. Ob jemand dagegen zwei oder zwanzig Bekannte hatte, spielte für das Wohlbefinden kaum eine Rolle.
Interessant ist auch, wie Freundschaften entstehen. Die meisten engen Freundschaften beginnen in der Schule, im Studium oder am Arbeitsplatz, weil man dort regelmäßig viel Zeit miteinander verbringt. Die Forscherin Dr. Sabine Keller erklärt: „Freundschaft braucht Wiederholung. Wer jemanden nur einmal trifft, wird selten sein Freund. Erst wenn man sich immer wieder sieht, entsteht Vertrauen.“ Nach Schätzungen der Studie braucht man etwa fünfzig Stunden gemeinsamer Zeit, um aus einem Bekannten einen Freund zu machen, und mehr als zweihundert Stunden für eine enge Freundschaft.
Problematisch wird es, wenn sich die Lebenssituation ändert. Nach einem Umzug, der Geburt eines Kindes oder einem Jobwechsel verlieren viele Menschen einen Teil ihrer Freunde, nicht aus Streit, sondern weil die Zeit fehlt. Besonders Männer zwischen dreißig und vierzig geben in der Studie an, dass sie kaum noch Zeit für Freundschaften haben. Frauen pflegen ihre Kontakte im Durchschnitt häufiger, vor allem durch lange Telefongespräche und Nachrichten.
Die Forscher empfehlen deshalb feste Rituale: ein monatliches Abendessen, ein gemeinsamer Sport oder ein regelmäßiger Spaziergang. Wer solche Termine im Kalender einträgt, nimmt sie ernster und sagt sie seltener ab. Auch kleine Gesten helfen, zum Beispiel eine kurze Nachricht zum Geburtstag oder die Frage „Wie geht es dir wirklich?“. Am Ende, so Keller, sei Freundschaft keine Frage des Glücks, sondern der Pflege.
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