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Jeden Abend sehen Millionen Menschen in Deutschland die Wettervorhersage im Fernsehen. Doch nur wenige wissen, wie viel Arbeit hinter den Wolkensymbolen und Temperaturen steckt. Die Grundlage bilden Messungen: Der Deutsche Wetterdienst betreibt mehr als zweitausend Messstationen, die Temperatur, Luftdruck, Wind und Niederschlag registrieren. Hinzu kommen Daten von Wetterballons, Flugzeugen, Schiffen und Satelliten.
Die Werte werden in leistungsstarke Computer eingegeben, die mit Hilfe mathematischer Modelle berechnen, wie sich die Atmosphäre in den nächsten Tagen verändert. Anschließend prüfen Meteorologen die Ergebnisse. „Der Computer liefert die Zahlen, aber wir müssen sie einordnen“, sagt der Meteorologe Stefan Ruhland. „Manchmal zeigt das Modell Regen, obwohl wir aus Erfahrung wissen, dass in dieser Region die Berge die Wolken aufhalten.“
Die Genauigkeit hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Eine Vorhersage für den nächsten Tag stimmt heute in ungefähr neunzig Prozent der Fälle. Für drei Tage im Voraus sind es noch etwa achtzig Prozent. Je weiter der Termin in der Zukunft liegt, desto unsicherer wird die Prognose. Wettervorhersagen für zwei Wochen gelten deshalb als wenig zuverlässig. Der Grund ist die sogenannte Chaostheorie: Schon kleine Fehler in den Ausgangsdaten können nach wenigen Tagen zu völlig anderen Ergebnissen führen.
Besonders schwierig sind lokale Unwetter wie Gewitter. Sie entstehen oft innerhalb weniger Stunden und betreffen nur einzelne Orte. Hier hilft das Radar, das Regenwolken in Echtzeit zeigt. Viele Menschen nutzen heute eine Wetter-App auf dem Handy, doch Experten warnen: Die Apps zeigen meist nur Computerberechnungen ohne die Einschätzung eines Fachmanns.
Und was ist mit Bauernregeln wie „Ist der Mai kühl und nass, füllt er dem Bauern Scheuer und Fass“? Ruhland lächelt: „Manche Regeln beruhen auf jahrelanger Beobachtung und enthalten ein Körnchen Wahrheit. Für den Alltag verlasse ich mich aber lieber auf Messdaten.“ Sein Tipp: Wer einen Ausflug plant, sollte am Vortag und am Morgen noch einmal in die Vorhersage schauen.
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