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Wer durch das Stadtviertel Nordend spaziert, entdeckt zwischen Wohnblocks und einer vielbefahrenen Straße etwas Unerwartetes: einen Garten. Auf einer ehemaligen Parkplatzfläche wachsen Tomaten, Kürbisse, Kräuter und Sonnenblumen in Holzkisten. Der „Gemeinschaftsgarten Grünzeit“ wurde vor vier Jahren von einer Gruppe Nachbarn gegründet, die sich mehr Natur in der Stadt wünschten.
Anfangs war es nicht einfach. Das Grundstück gehört der Stadt, und die Gruppe musste lange mit dem Rathaus verhandeln, bis sie die Fläche kostenlos nutzen durfte. Weil der Boden unter dem Asphalt verschmutzt war, pflanzten die Mitglieder ihr Gemüse in Hochbeeten und Kisten, die sie aus Paletten selbst gebaut hatten. Heute zählt der Garten rund sechzig aktive Mitglieder, vom Schüler bis zur Rentnerin.
Wer mitmachen möchte, zahlt einen Jahresbeitrag von zwanzig Euro und verpflichtet sich, zweimal im Monat zu helfen. Dafür darf er einen Teil der Ernte mit nach Hause nehmen. Was übrig bleibt, wird jeden Samstag auf einem kleinen Markt vor dem Garten verkauft. Das Geld kommt in die Gemeinschaftskasse und wird für neues Saatgut und Werkzeug ausgegeben.
„Es geht uns nicht nur ums Gemüse“, erklärt Gründerin Mira Hoffmann. „Hier treffen sich Menschen, die sich im Haus nie gegrüßt hätten. Ein Nachbar aus dem dritten Stock hat mir erst hier erzählt, dass er früher Gärtner war. Jetzt bringt er den Jüngeren bei, wie man Tomaten richtig schneidet.“ Auch eine nahe Grundschule kommt regelmäßig vorbei. Die Kinder lernen, woher unser Essen kommt, und manche probieren zum ersten Mal in ihrem Leben eine frische Erbse direkt aus der Schote.
Es gibt aber auch Probleme. Im Sommer ist Wasser knapp, denn der Garten hat keinen eigenen Anschluss. Ein Mitglied fährt deshalb jede Woche mit dem Fahrrad Wassertanks vom nahen Sportplatz herbei. Außerdem verschwindet manchmal Gemüse über Nacht. Die Gruppe hat sich dafür eine Lösung überlegt: Ein Beet am Zaun ist ausdrücklich für Passanten reserviert, jeder darf dort pflücken.
Im nächsten Jahr will die Gruppe ein kleines Gewächshaus bauen, damit auch im Winter etwas wächst. Mira Hoffmann ist optimistisch: „Wir haben schon mehr geschafft, als wir am Anfang gedacht haben.“
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